DAS NACHTFRÄULEINSPIEL
„Und obwohl das Haus so weit abseits liegt und alles in Winterdunkel getaucht ist, hat Annamaria keine Angst. Denn sie weiß ja, dass dort, hinter diesen Fenstern, die Glückliche Familie schläft. Genau so eine Familie wird sie auch bald haben, weiß Annamaria, und ein Glücksgefühl durchströmt ihren Körper, so intensiv und stark, dass es fast nicht zum Aushalten ist."
Ihr Unbehagen hatte einzig und allein mit dem Anruf zu tun, den sie gestern Abend erhalten hatte. Und mit den Geistern, die dadurch ins Haus gewitscht waren. Warum hatte sie überhaupt den Hörer abgenommen?
Liane van der Berg kann auf ein erfolgreiches Leben blicken: Sie gilt als eine der führenden Erziehungsexpertinnen des Landes, ist seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und hat wunderbare Kinder.
Doch ist Lianes Leben wirklich so perfekt? Ein verstörender Anruf und ein Brief voll gut verborgen geglaubter Geheimnisse bringt alles in Wanken. Und auf einmal ist er wieder da, jener Ostermontag 1968, an dem alles begann …
"Sie prägt sich die Stelle ein, wo er steht, geht dann auf die gegenüberliegende Seite, drängt sich ganz nach vorne, vor alle anderen, vor die erste Reihe. Sie geht in die Knie, holt die Nachtfräulein-Maske aus der Plastiktüte und setzt sie auf. Jetzt ist es dunkel um sie und sie braucht eine Weile, um sich zu orientieren. Alles ist jetzt gedämpft, das Prasseln und Zischeln des Feuers, das Stimmengewirr. Dann geht sie aus der Hocke nach oben, verharrt einen Augenblick, holt noch einmal Luft und geht den Halbkreis zurück bis dorthin, wo er steht, und stellt sich dann vor ihn hin, mit dem Rücken zum Feuer, breitbeinig. Es dauert einen Moment, bis er sie entdeckt. Bis er versteht, wer das da ist, in diesem Aufzug. Im Minirock mit Netzstrümpfen und mit der Nachtfräuleinmaske auf dem Kopf. Er starrt sie an, ungläubig erst. Dann bleibt ihm buchstäblich der Mund offen stehen."
Der erste Impuls
Aufgewachsen in einer ländlichen Gegend mit der weit verbreiteten Tradition, dem Winter mit Holzmasken und Kuhglocken den Garaus zu machen, hatte ich die schwäbisch-alemannische Fastnacht schon lange in meiner Inspirationsbox. Es war diese Mischung aus Kindergrusel und Faszination, die mich nie losgelassen hat – die Art von Gefühl, die man hat, wenn man sich hinter Omas Gardine versteckt und trotzdem hinguckt. Ich erinnere mich an die Umzüge meiner Kindheit, an das Warten am Straßenrand, verkleidet, zwischen Hoffen und Bangen, ob die Hexen mit ihrem starren, toten Blick uns entdecken würden. Wenn man "Glück" hatte, wuschelten sie einem durch die Haare und rückten ein Bonbon heraus. Später, als Teenager, wurden wir dann unter ein Netz gesteckt und ein Stück weit mitgeschleppt – immer noch im Ungewissen, wer sich hinter der Maske verbarg. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis diese schaurige Welt in meinen Geschichten ihren Platz finden würde.
Und dann kam der Tag, an dem ich eine Zeitungsnotiz über die schwedische Erziehungsexpertin Anna Wahlgren las. Wahlgren, Bestsellerautorin und Mutter von neun Kindern, von vielen Eltern wie ein Guru verehrt, ließ sich in ihren Ratgeberbüchern immer wieder von ihrem eigenen Familienleben inspirieren und nutzte dieses geschickt als Marketingstrategie. Doch dann sah sie sich plötzlich mit einer unerwarteten Veröffent-lichung konfrontiert: Ihre drittälteste Tochter, Felicia Feldt, hatte ein Enthüllungsbuch geschrieben. „Felicia ist verschwunden“ heißt das 187 Seiten starke Werk, das aus den Erfahrungen einer langen Psychotherapie zur Überwindung einer Depression hervorging. Auch wenn Wahlgren sich von meiner Figur der Liane in vielem unterscheidet, haben die beiden doch eines gemeinsam: Sie sind tonangebende Persönlichkeiten in Erziehungsthemen und sie instrumentalisieren ihre Familie für berufliche Zwecke. Vor allem aber gibt es bei beiden offensichtlich eine Diskrepanz zwischen ihrer Selbstwahrnehmung (als Mütter) und der Fremdwahrnehmung (durch die Kinder). So schreibt Anna Wahlgren in ihren dreibändigen Memoiren: »Ich bin sehr stolz darauf, dass ich meinen Kindern genau das geben konnte, was mir gefehlt hat. Sie sind alle wunderbar, es gibt kein schwarzes Schaf unter ihnen.« Ihre Tochter Felicia Feldt hat aber gezeigt, was hinter der scheinbar so gelungenen Kulisse passiert ist.
"Das Haus war bedrückend. Schon seit ihrer Ankunft gestern Abend fühlte sie diese Beklommenheit, hatte aber gedacht, mit dem Heraufziehen des neuen Tages würde sich das Gefühl verflüchtigen. Doch das Gegenteil war der Fall."
Der Titel
Das "Nachtfräuleinspiel" ist ein traditionelles Kinderspiel, das vor allem auf der Schwäbischen Alb bekannt ist. Dabei handelt es sich um eine Art Versteckspiel, das besonders in der dunklen Jahreszeit, oft an langen Winterabenden, gespielt wurde.
Pressestimmen zu "Das Nachtfräuleinspiel" - Buch und Hörbuch
"Der Roman erzeugt thrillerartige Spannung."
Schwetzinger Zeitung
Absolut spannend."
Lingener Tagespost
"Jonuleit versteht es, den Leser konstant in ihren Bann zu ziehen."
Der Siegerländer für das Wochenende
"Die Geschichte um Heimat, Identität und die scheinbar perfekte Familie ist überaus spannend."
Schweriner Volkszeitung
"Anja Jonuleit hat ein ungewöhnliches und brisantes Thema umfangreicht recherchiert und in eine fesselnde Geschichte verpackt."
buecher-leben.de
"Eine beeindruckende und dramatische Geschichte, die schockiert und nachdenklich macht."
derachentaler.de
"Wie immer hat die Autorin gut recherchiert und einen sehr komplexen und eindrucksvollen Roman geschrieben."
der-kultur-blog.de
"Ein herrlich abgründiger Lesegenuss."
Buchjournal extra
"Komplexe Charaktere entfalten hier tiefe Abgründe. Die Sprecherstimmen machen daraus anspruchsvolle Unterhaltung."
BÜCHER Magazin
"Übermütter, übertriebener Ehrgeiz, Kontrollwahn – das sind die Themen, von denen Anja Jonuleit in ihrem neuen Roman “Das Nachtfräuleinspiel” erzählt."
hallo-buch.de
"Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt"
vonmainbergsbuechertipps
"… großartiges Kino für die Ohren. Die beiden Sprecherinnen [...] setzen die beiden Hauptprotagonistinnen Liliane und Annamaria lebendig und facettenreich in Szene, lassen den Hörer tief in die Seelen der beiden Frauen blicken und werden so manchen Abgrunds gewahr."
irveliest
"Eine anspruchsvolle und mitreißende Geschichte um Heimat, Identität und die scheinbar perfekte Familie."
MTA Dialog
"Auf mehreren Zeitebenen schildert die Bestsellerautorin das Schicksal ihrer Figuren in diesem spannenden und herzergreifenden Roman." Lebensart im Norden