18.04.2026

Nachklang


Die Leipziger Buchmesse ist schon wieder ein paar Wochen her. Und doch klingt sie in mir noch nach – das Gehen durch die Hallen, das Stimmengewirr, die schnellen Übergänge von einem Termin zum nächsten. Man ist ständig in Bewegung, im Austausch, ganz präsent. Und erst danach kommt die Müdigkeit.

Ich hatte einige Auftritte, viele Begegnungen. Unter anderem war ich mit meinem Buch im KrimiClub im Landgericht zu Gast – gemeinsam mit Anne Stern, Alexander Rupflin und Daniel Faßbender, moderiert von Anouk Schollähn. Der Saal war voll besetzt, wie eigentlich immer. Es ist jedes Mal eine ganz eigene Atmosphäre, wenn man in diesem altehrwürdigen Raum auf der Richterbank sitzt und über Geschichten spricht.

Kurz danach war ich auf Lesereise in der Lüneburger Heide unterwegs – an Orten, die in meinem Roman eine Rolle spielen. Dort habe ich mich auch mit einem Filmteam vom NDR getroffen. Wir sind durch die Landschaft gegangen, haben gesprochen, geschaut, was bleibt von einer Geschichte, wenn man sie dorthin zurückträgt, wo sie ihren Anfang genommen hat.

Daraus ist ein Beitrag entstanden, der im Kulturjournal des NDR gesendet wurde und sich nun in der ARD Mediathek anschauen lässt. Wenn ihr mögt, schaut gern einmal hinein. 
Mein Roman ist dort außerdem als NDR „Buch des Monats“ ausgewählt worden.

Vielleicht seht ihr in dem Beitrag etwas von dem, was mich beim Schreiben begleitet hat. Oder einfach nur die Heide im Licht dieses Tages.

Bis bald
Anja Jonuleit


17.02.2026

Neue Cover – und der Startschuss im März

Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht haben einige von euch es bereits bemerkt: Mein neuer Roman „Wo der Wind die Namen trägt“ ist inzwischen im Buchhandel gelistet. Man findet ihn bereits in den Verlagsvorschauen und online – sichtbar, aber noch nicht erschienen. 
Der offizielle Veröffentlichungstermin ist der 25. März 2026. 
Heute möchte ich das Cover nun auch hier auf meiner Website zeigen – und diesen Moment mit etwas verbinden, das mir besonders am Herzen liegt.

 

Denn dieses Buch steht nicht allein: Penguin Random House hat – wie bereits erwähnt – meine gesamte Backlist übernommen, also alle Romane, die zuvor bei dtv erschienen sind. Für mich ist das ein großes Glück. Und eines, das sich gerade ganz konkret zeigt.
Meine Bücher werden in den kommenden Jahren sukzessive neu ausgestattet: mit neuen Covern, einer anderen Gestaltung und einer gemeinsamen visuellen Linie. 
Die neuen Ausstattungen für Herbstvergessene, Der andere Tod, Der Apfelsammler und Die fremde Tochter liegen bereits vor – und heute zeige ich sie hier erstmals gemeinsam.
Wenn ich diese Bücher nun nebeneinander sehe, wird mir bewusst, wie unterschiedlich ihre Entstehungszeiten, Themen und Phasen waren – und wie sehr sie dennoch miteinander verbunden sind. Die Geschichten selbst haben sich nicht verändert. Aber ihre neue Gestaltung lässt sie in einem anderen Licht erscheinen. 

Ausstattung ist keine Nebensache. Sie prägt den ersten Eindruck und den Ton, mit dem man einem Buch begegnet. Dass meine Romane nun mit so viel Sorgfalt neu gedacht werden, empfinde ich als große Wertschätzung – gerade in einer Zeit, in der vieles schnell weiterzieht und Bücher oft nur kurz sichtbar sind.
Der 25. März markiert den Auftakt dieses nächsten Kapitels – mit „Wo der Wind die Namen trägt“ und mit den Büchern, die ihm folgen werden.
Danke, dass ihr meine Geschichten begleitet – manche vielleicht schon seit vielen Jahren, andere erst seit Kurzem.

Bis bald,
Anja Jonuleit

17.10.2025

Ein Satz

„Wenn Hände Wasser rufen und du hast Wasser, dann gibst du den Händen Wasser.“
Ein Kind hat das gesagt. Ein Kind aus der Lüneburger Heide, irgendwo zwischen Celle und den Wacholderbüschen von Schmarbeck.
Ich bekam diesen Satz von Peter Schanz, einem Theaterregisseur, der vor einigen Jahren ein Stück über Adolf Eichmanns Zeit in der Lüneburger Heide geschrieben hat. Wir sprachen lange miteinander – ein intensives, offenes Gespräch, wie man es selten führt, wenn zwei Menschen sich mit demselben Thema beschäftigt haben.
Denn oft ist Recherche ein mühsames Geschäft. Manche, die einmal tief in ein Thema eingetaucht sind, halten ihr Wissen fest, als gehöre es ihnen allein. Ich habe das immer wieder erlebt – und sicher war das einer der Gründe, warum ich für meinen Roman Rabenfrauen damals selbst nach Chile gereist bin. Eine Art Trotzreaktion. Ich musste selbst sehen, hören, begreifen.
Umso berührender war es diesmal, als nach unserem Gespräch ein dickes Paket von Peter Schanz eintraf: Bücher, Hintergrundmaterial – und all die Originalaufzeichnungen der Gespräche, die er für sein Stück Altensalzkoth. Eine Recherche in unserer Nachbarschaft gesammelt hatte, uraufgeführt im Februar 2013 am Schlosstheater Celle.
Ich begann zu lesen. Schon nach den ersten Seiten war klar, dass diese Stimmen etwas in mir zum Klingen brachten – Stimmen von Menschen, die damals Kinder waren, und von solchen, die alt genug waren, sich zu erinnern: an die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs und die Jahre danach, als die Heide voll war von Heimkehrern, Fremden und Geschichten, über die niemand sprach.
Wenn man nun also diesen Satz hört, bekommt man vielleicht schon eine Ahnung von dem Zusammenhang, in dem er fiel. Er trägt das Unbegreifliche in sich – die Ahnung eines Kindes, das etwas sieht, das größer ist als seine Welt. Kein Wissen, nur ein Schauder, eine Geste, ein Reflex von Menschlichkeit inmitten von Fassungslosigkeit. Jedenfalls wurden dieser und andere Sätze von Zeitzeugen für mich zu wesentlichen Bestandteilen meines Romans
„Wo der Wind die Namen trägt“.
Wer meinen ersten Newsletter gelesen hat, erinnert sich vielleicht: Er trug den Titel „Ein Wort“ – und erzählte von meiner Mutter, die bei einem Spaziergang auf einen verwitterten Gedenkstein stieß, auf dem nur dieses eine Wort zu entziffern war: ermordet.
Und jetzt dieser Satz.
So begann es. Und so kam eins zum anderen: Wort für Wort, Satz für Satz, bis sich nach und nach ein ganzes Bild zusammensetzte – ein Roman über Erinnerung, Schweigen und das, was bleibt, selbst dann, wenn niemand mehr darüber spricht.
Manchmal reicht ein einziges Wort. Und manchmal braucht es einen Satz, der dazukommt, damit man begreift, worum es wirklich geht.
Bis bald,
Anja Jonuleit

P. S. Beim nächsten Mal zeige ich euch das Cover von Wo der Wind die Namen trägt – ein Bild, das genau so still und rätselhaft ist wie die Geschichte selbst

13.07.2025

Ein Wort  

Es war meine Mutter, die den Stein fand.
Sie wanderte durch die Lüneburger Heide, allein mit ihrem kleinen Rauhaardackel, irgendwo zwischen Kiefern, Wacholder und der Landschaft ihrer Kindheit. Es war später Nachmittag, das Licht weich, die Stille dicht wie Moos.
Und dann dieser Gedenkstein. Alt. Von Flechten überwachsen. Nur ein einziges Wort war noch zu entziffern:
„ermordet“
Ein unheimlicher Moment. 
Sie fühlte sich plötzlich unwohl. Es war, als würde der Wald aufhorchen. Auf einmal hatte sie es eilig, von dort wegzukommen.
Erst Jahre später erzählte sie mir davon. Und ich begann zu suchen:
Was war damals passiert? Wer war dort gestorben? Und warum erinnerte niemand daran. Außer diesem von Flechten bedeckten Stein?
Ich stieß auf vage Hinweise. Auf eine junge Frau, die dort 1946 ums Leben kam. Auf Archivspuren, die nicht auffindbar waren. Die Staatsanwaltschaft hielt sich zurück, der Ort blieb ein Rätsel.
Aber etwas anderes traf mich fast noch mehr: Ich kannte die Gegend. Ich war als Kind oft dort, bei meinen Großeltern, väterlicher- und mütterlicherseits. Ich habe in der Heide die langen Sommerferien verbracht. Ich erinnere mich an warme Abende, an Stachelbeersträucher, an den feinen, grauen Heidesand, der sich in jede Pore schlich, an schwarze Füße, die abends intensiv geschrubbt werden mussten.
Und doch: Ich hörte nie ein Wort über Bergen-Belsen. Nie etwas über die Celler Hasenjagd.
Auch nichts von dem, was dort geschah, wo ich als Kind meine Großeltern besuchte.
Nicht, weil jemand gelogen hätte. Nicht, weil jemand etwas vertuschen wollte.
Sondern weil es einfach nicht erzählt wurde.
Ich begann zu schreiben.
Einen Roman. Keinen Tatsachenbericht, aber inspiriert von genau diesen Lücken: vom Schweigen, von der Ahnung, dass unter der Heide mehr liegt als nur Sand.
Der Arbeitstitel des Romans lautet: „Wo der Wind die Namen trägt“. Ob der Titel bleibt, ist offen – der Verlag diskutiert noch. (Mir liegt er sehr am Herzen. Ich finde: Er klingt genau wie das Buch.)
Erscheinen wird der Roman voraussichtlich im Frühjahr 2026.
Dies ist mein erster Newsletter. Ich weiß noch nicht, wie regelmäßig er erscheinen wird.
Aber vielleicht magst du mich ein Stück begleiten – durch Geschichten, Fragen, Erinnerungen.
Manchmal beginnt alles mit einem einzigen Wort.
Und führt dorthin, wo wir nicht gesucht haben.

Bis bald –
Anja Jonuleit

Ein Vorgeschmack auf die Kulisse

15.01.2025

Spannende Recherche 

- neue Inspirationen

Für mein aktuelles Projekt gibt es reichlich Material durchzukämmen. 

So viel sei dazu verraten: 
Die Bühne dieser Geschichte stellt die Heimat meiner Eltern - die Lüneburger Heide. 
Ein Gedenkstein an einen Mord, mitten in den endlosen Wäldern des Celler Hinterlands und die Geschichte eines der meist gesuchten Männer der 50er Jahre. 

Die Stimmung in Worte fassen geht weiter...

31.12.2024

Das Jahr 2024...


... ging gut zu Ende: Kurz vor Weihnachten habe ich einen Vertrag für ein weiteres Buch abgeschlossen, wieder mit Penguin Random House. Arbeitstitel ist im Moment "Trösteinsamkeit". Mal sehen, ob das so bleibt. Noch eine gute Neuigkeit: Penguin Random House übernimmt meine gesamte Backlist vom dtv und legt alle Bücher neu auf. Im Laufe der nächsten Jahre werden die Titel also nach und nach wieder erscheinen, in neuer Ausstattung. Ich bin gespannt.